Corona und Demenz

Corona und Demenz Umgang mit Abstand – Tipps für Besuche im Pflegeheim Besuche in Pflegeheimen sind grundsätzlich wieder möglich, jedem Bewohner ist pro Tag ein Besuch durch maximal zwei Personen gestattet. Die Einrichtung kann Ausnahmen zulassen, insbesondere für nahestehende Personen im Rahmen der Sterbebegleitung, und legt in einem Besuchskonzept fest, wie sie Besuche und Zutritte unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten ermöglicht. Uns erreichen viele Anrufe von Angehörigen, die ihre Erfahrungen schildern: „Mein Mann erkennt mich durch die Maske und die spiegelnde Plexiglasscheibe auf die Entfernung nicht.“ „Meine Mutter ist schwerhörig, sie versteht mich nicht, wenn ich so weit entfernt sitze und spreche.“ „Mein Vater wurde unruhig, er wollte immer zu mir kommen und rief immer lauter. Wir mussten den Besuch nach ein paar Minuten abbrechen.“ „Ich war so erleichtert, meine Mutter nach vielen Wochen wieder zu sehen, wenn auch nur durch die Glastür. Sie sah gut aus und auch zufrieden. Ich glaube, ich habe mir zu viele Sorgen gemacht.“ „Mein Ehemann ist fortgeschritten an Demenz erkrankt. Er reagiert nur noch auf Zuwendungen wie Streicheln oder in den Arm nehmen. Ein Besuch mit Abstand macht keinen Sinn. Er blickt ins Leere.“ „Ich war beruhigt zu sehen, dass es meiner Schwester gut geht.“ Die aktuelle Situation nach Lockerung des strikten Besuchsverbots Die Besuchsmöglichkeiten sind weiterhin sehr eingeschränkt, sowohl zeitlich, als auch in der Gestaltung der Begegnung. Der Abstand muss gewahrt bleiben. Das heißt in den meisten geschilderten Fällen: · Besuche nur in Besucherräumen oder im Innenhof im Freien · Trennung durch Plexiglasscheibe · häufig keine Privatsphäre, Aufsicht durch das Personal · zwei Tische als Abstandshalter, man sitzt jeweils an einem Ende, d.h. weit auseinander · keine Berührung möglich bzw. erlaubt. Deshalb haben Menschen mit Demenz große Probleme mit den Abstandregeln Menschen mit Demenz bleiben nicht unbedingt am Tisch oder hinter der Plexiglasscheibe sitzen. Sie stehen auf und gehen herum oder sie werden unruhig. Häufig erkennen sie ihre Angehörigen auf die Entfernung oder durch die Maske nicht. In der langen Trennungszeit sind zudem manche dementiellen Erkrankungen vorangeschritten und das Wiedererkennen ist nur noch eingeschränkt möglich. Vorschläge für Kompromisslösungen ♣ Bei ausreichendem Abstand kann der Angehörige kurz die Maske abnehmen ohne zu sprechen, damit er erkannt wird, danach setzt er sie wieder auf.♣ Versuch eines spielerischen Umgangs: Begrüßung mit der Geste einer Umarmung und den Worten „Hallo Mama, wir umarmen uns heute von Weitem. Komm mach mit!“ Umarmungsgeste nochmal wiederholen, verbunden mit einem Lächeln. ♣ Bei noch mobilen Menschen mit Demenz können die Besuche in den Garten des Pflegeheims verlagert werden. Beim gemeinsamen Spaziergang kann der Abstand eingehalten werden und eine Unterhaltung ist trotzdem gut möglich. ♣ Die Pflegekraft könnte mit dem Bewohner gehen und der/die Angehörige mit Abstand folgen. ♣ Wenn der erkrankte Angehörige offensichtlich nicht vom Besuch profitiert, sondern dadurch zusätzlichem Stress ausgesetzt ist, weil er die Situation nicht verstehen und damit nicht umgehen kann, sollte man als Angehöriger versuchen, die eigenen Wünsche etwas zurücknehmen. Hier ist es vielleicht besser, das Treffen abzubrechen und mit einem weiteren Besuch noch etwas zu warten. § Bei fortgeschritten Erkrankten kann man das Gespräch mit der Einrichtung suchen und fragen, ob es vielleicht doch möglich ist, kurze Zeit die Hand zu halten, wenn zuvor die Hände desinfiziert werden. Über einen Tisch hinweg gelingt dies evtl. auch mit Abstand. An die Angehörigen ♣ Verlieren Sie grundsätzlich nicht das Vertrauen in die Einrichtungen, die vielerorts ihr Möglichstes tun, in den letzten Monaten auch viel auf die Beine gestellt haben und denen das Gleiche am Herzen liegt wie Ihnen, nämlich das Wohlergehen ihrer Bewohnerinnen und Bewohner.♣ Bedenken Sie, dass die Einrichtungen die Besuche unter Berücksichtigung der aktuellen Vorgaben mit hohem Aufwand organisieren müssen, ohne dafür zusätzliches Personal zu haben.♣Die momentanen Einschränkungen sind für Sie und Ihren Angehörigen schmerzlich. Dennoch sollten Sie versuchen, auch die Verantwortung zu sehen, die Sie nicht nur für Ihren eigenen Angehörigen tragen, sondern für alle Bewohner in der Einrichtung, die ebenfalls durch das Virus gefährdet werden könnten. Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V. | Corona und Demenz – Umgang mit Abstand Corona: Hilfen und Links Das Thema Corona beherrscht die Medien. In der Informationsflut ist es wichtig, den Überblick zu behalten und sich auf verlässliche Quellen zu konzentrieren. Wir bemühen uns, die für unseren Bereich wichtigen Informationen zu sichten, zu prüfen und bereitzustellen. Eine Übersicht finden Sie auf unserer Website www.alzheimer-bw.de. Wenn ein Gespräch helfen könnte Die erfahrenen Fachkräfte am Beratungstelefon der Alzheimer Gesellschaft BadenWürttemberg suchen im Gespräch mit den Anrufenden Lösungen für individuelle Konfliktsituationen: mo-fr 0711 24 84 96-63 (auf Wunsch auch anonym).